In fünf Monaten startet die neue US-Profiliga. Sie will den besten Frauenfußball der Welt bieten, obwohl sie nur wenig Geld und Anhänger hat. Die Eintrittskarten werden schon jetzt zu Schleuderpreisen verramscht.
Die Clubs der neuen US-Profiliga setzen auf den Weihnachtsmann. Der soll helfen, dass im April, wenn die erste Saison der Women's Professional Soccer League (WPS) startet, die Stadien voll werden. Eintrittskarten seien in diesem Jahr das Weihnachtsgeschenk für alle Fußballfans, so werben die Clubs.
Immerhin ist es billig, Frauenfußballfan in den USA zu sein. Der Proficlub in St. Louis bietet z.B. seine Saisonkarte für Erwachsene ab 99 Dollar an. Das macht umgerechnet 6,50 Euro pro Spiel für einen Sitzplatz – und dazu gibt es noch die „begehrte Anstecknadel der Premieren-Saison“ gratis dazu.
St. Louis spielt in einem Vorort-Stadion, das gerade einaml dreitausend Zuschauer fasst. Dass selbst diese wenigen Tickets jetzt schon zu Schnäppchenpreisen verramscht werden müssen, lässt erahnen, wie sehr auf dem Nullpunkt das Frauenfußball-Interesse in den USA ist.
Garantiert mädchenfreie Zonen
Wer will, kann allerdings auch mehr als 99 Dollar für eine ganze Saison Frauenfußball ausgeben. So bieten die Boston Breakers Spezialkarten für 250 Dollar an. Der Aufpreis garantiert laut Verein, dass man nicht in der Nähe von Mädchengruppen sitzt. Das Angebot geht auf Erfahrungen mit der früheren Profiliga WUSA zurück, die 2003 pleite ging. Damals hatten sich oft Männer über die vielen Mädchen im Stadion beschwert. Das Gekreische der pubertierenden Girls sei nicht zu ertragen, klagten sie.
Die Zusatzeinnahmen durch die „mädchenfreien Zonen“ sowie VIP-Tickets können Clubs wie die Boston Breakers gut gebrauchen. Nachdem die WUSA in drei Jahren gut einhundert Millionen Dollar Verlust eingefahren hatte, regiert jetzt beim Neustart überall der Rotstift. Alles muss billig sein, denn viele Investoren gibt es in den USA nicht mehr, die an Frauenfußball glauben.
Liebe statt Rendite
Einige kuriose Gestalten der amerikanischen FF-Szene haben das Ihre dazu beigetragen, dass die Zahl der Geldgeber übersichtlich bleibt. So fühlte sich der Fußballtrainer Platini Soaf dazu berufen, in San Diego ein Team für die Profiliga hoch zu ziehen. Er traf sich mit Liga-Chefin Tonya Antonucci, und die sicherte ihm öffentlich ihre Unterstützung zu.
Soaf machte sich daraufhin auf die Suche nach Investoren, die seinen Club finanzieren sollten. Ganz unbedarft verkündete er in der Lokalzeitung: „Wir sagen möglichen Investoren ganz klar, dass es hier nichts zu verdienen gibt. Wer uns Geld gibt, muss es aus Liebe zum Frauenfußball tun.“ Im Heimatland des Kapitalismus erntete er dafür ein mildes Lächeln, mehr nicht. Die Chance, auch in San Diego ein Profiteam aufzubauen, wurde mit Soaf vertan. Das ist ärgerlich für die neue Liga, denn San Diego war in der maroden WUSA immerhin noch das wirtschaftlich erfolgreichste Team mit den meisten Fans.
In sieben Städten hat Women's Professional Soccer erfolgreichere Leute als Soaf gefunden, denen es tatsächlich gelungen ist, einen Club aufzubauen. Wenn diese Teams ab April gegeneinander antreten, wird die große Masse der Amerikaner allerdings nichts davon mitbekommen. Bei der für eine Profiliga so wichtigen Frage wie die der Fernseh-Vermaktung musste WPS sehr kleine Brötchen backen. Pro Spieltag soll nur eine Begegnung gezeigt werden – und das in dem digitalen Nischenkanal Fox Soccer Channel, den nur etwa jeder sechste Amerikaner überhaupt empfangen kann.
“Standards für die Welt“
WSP-Chefin Antonucci hat mittlerweile schöne Worte für die eher trüben Anfänge ihrer Profiliga gefunden. Schon lange verkündet sie, dass an allen Ecken und Enden gespart werden muss. Jetzt fügt sie hinzu, der Start auf bescheidenem Niveau biete schließlich ein enormes Wachstumspotential - frei nach der Devise: Wer noch fast nichts hat, kann noch fast unendlich viel hinzugewinnen.
So bescheiden die Voraussetzungen der neuen Liga sind, so groß ist ihr Anspruch. „Es wird Zeit, dass wir die besten Spielerinnen bei uns versammeln. Wir werden die Standards für die Welt setzen“, verkündete Steve Nash, einer der Miteigentümer der Liga, kürzlich.
Bislang sind der WPS noch keine spektakulären Verpflichtungen aus dem Ausland gelungen, auch wenn schon Verhandlungen geführt wurden. Wie beim Ticketverkauf müssen Nash und Antonucci wohl auf den Weihnachtsmann hoffen. Anscheinend nur er kann der Liga einen internationalen Superstar schenken, den sie so dringend braucht, um ihrem eigenen Anspruch wenigstens auf den ersten Anschein gerecht zu werden.