Angerer-Wechsel: Dietrich zweifelt an US-Profiliga
Eine Entscheidung darüber, ob Nationaltorhüterin Nadine Angerer tatsächlich in die neue US-Profiliga wechselt, soll nach dem Willen ihres Managers Siegfried Dietrich bis Ende Januar fallen. Dietrich selbst hält die neue Liga für wenig attraktiv und hat Zeifel, ob sie ein Erfolg wird.
Siegfried Dietrich. Foto: FFC.
Wenn es nur ums Geld geht, muss Siegfried Dietrich nicht lange überlegen, auf welcher Seite des Atlantiks eine Spitzenfußballerin gegen den Ball treten sollte: "In Europa lässt sich mehr verdienen als in Amerika. Niemand in der Bundesliga muss deswegen Angst vor der US-Profiliga haben" stellt er klar und verweist unter anderem auf gut dotierte Werbeverträge vieler Nationalspielerinnen.
Der Manager des 1. FFC Frankfurt, der auch Frauen anderer Vereine mit seiner Agentur SIDI betreut, bestätigte einen Bericht von FFNews über die schlechte Verfassung der neuen Profiliga wenige Monate vor dem Start. "Ich habe das gelesen und es gibt auch meinen Eindruck wieder. Manchmal glaube ich sogar, dass es noch schlimmer ist."
Nationalspielerin Ariane Hingst konnte er davon überzeugen, dass es besser ist, nicht in die USA zu wechseln. Sie spielt nach ihrer Rückkehr aus Schweden künftig für Frankfurt. Bei Nadine Angerer liegt der Fall anders. Sie hat den großen Wunsch, ein Jahr mal in den USA zu leben, auch wenn sich das unterm Strich nicht rechnet.
Trotzdem versucht ihr Manager, das bestmögliche Angebot für die Nationaltorhüterin auszuhandeln. So spricht Dietrich derzeit mit der Profiliga über die Modalitäten eines möglichen Transfers. Ein Problem dabei: Die Clubs haben eine feste Obergrenze bei ihrem Budget. Mehr als umgerechnet 420.000 Euro dürfen sie für alle Spielerinnen zusammen pro Saison nicht ausgeben. Bei einem 20er-Kader bleiben so durchschnittlich nur 21.000 Euro pro Fußballerin. Selbst wenn eine internationale Spitzenspielerin ein überdurchschnittlich großes Stück vom Kuchen abbekäme, würde sie nicht reich.
"Dieser Salary Cap ist fix. Jetzt bieten die Amerikaner aber Zusatzverträge an. Die Spielerinnen sollen das ganze Jahr in den USA bleiben, auch wenn die Saison nur 5 Monate dauert. In der restlichen Zeit sollen sie Trainingslager für den Nachwuchs leiten und an Freundschaftsspielen teilnehmen, um ihr Einkommen aufzubessern. Aber das ist doch sportlich keine Prespektive für eine Topspielerin", ist Dietrich skeptisch.
Eine andere Möglichkeit wäre, dass eine Deutsche nur für fünf Monate in den USA spielt, den Rest der Zeit aber in der Bundesliga antritt, wie es etwa Birgit Prinz in ihrer Zeit bei der früheren Profiliga WUSA tat. Doch auch davon hält Dietrich wenig: "Die Amerikaner spielen von April bis September, das bedeutet die Fußballerin wäre in den letzten Monaten der Bundesliga-Saison weg - gerade dann, wenn alle Entscheidungen fallen. Außerdem hätte sie keine Sommerpause und wäre bald ausgebrannt", gibt Dietrich zu bedenken.
Spätestens bis Ende Januar müssen nach Ansicht des Managers Antworten auf diese offenen Fragen her, damit ein Vertrag für Nadine Angerer unterschrieben werden kann. Ansonsten sei keine sinnvolle Saisonvorbereitung für die Nationaltorhüterin mehr möglich.
Frankfurt: "Etat bis 2012 gesichert"
Siegfried Dietrich hat grundsätzliche Zweifel am Erfolg der Profiliga. "Ob das alles so zum Tragen kommt wie es jetz geplant ist, muss man sehen. Für den weltweiten Frauenfußball wäre eine erfolgreiche US-Liga auf jeden Fall gut. Aber es darf natürlich keine Liga sein, die nach zwei oder drei Jahren wieder kollabiert".
Die Bundesliga "mit dem starken DFB im Rücken" sei jedenfalls besser aufgestellt, ist der Manager sich sicher. Er verspricht die spannendste Rückrunde, die es je gegeben hat - und fügt lachend hinzu: "Auch wenn das gerade zu unserem Leidwesen passiert." Den 1. FFC Frankfurt will er weiter professionalisieren. Der Etat bis Sommer 2012 sei dank langfristiger Sponsorenverträge gesichert. Dass der Verein in Pokal und UEFA-Cup nicht mehr dabei ist, stellt laut Dietrich kein ernstes Problem dar. "Das sind Zusatzeinnahmen, die jetzt ausbleiben, aber das eigentliche Budget steht." Und mit Blick auf die WM 2011 im eigenen Land sieht er ohnehin eine großartige Perspektive für den Frauenfußball in Deutschland.